BANDHAS – MAL AUF DIE PRANATUBE DRÜCKEN

Um ein Gefühl für die Bandhas zu bekommen, können Visualisierungen sehr hilfreich sein.
Um ein Gefühl für die Bandhas zu bekommen, können Visualisierungen sehr hilfreich sein.

Uddiyana Bandha – Mula Bandha – Jalandhara Bandha

 

Die Bandhas – Basis für eine energieeffiziente und harmonische Asanapraxis. Meine Wahrnehmung von ihnen oszilliert ständig zwischen Mythos und Schlüssel zum Glück. Dabei wandelt sich auch permanent ihre Gestalt, Lage und Verknüpfung innerhalb des Körpers. Habe ich sie gerade erwischt, sind sie auch schon wieder weg.

 

Die Energieverschlüsse, wie sie beschrieben werden, sind leider keine Organe, von denen man genau bestimmen kann, wo sie liegen. Dieses komplexe, sanfte und doch feste Zusammenspiel ganzer Muskelgruppen ist eher eine Grundspannung, ein Körpergefühl. Und es ist viel Feingefühl gefragt, sie mit der Zeit zu etablieren und zu einem zuverlässigen, ständig verfügbaren Werkzeug zu machen. 

 

Hundertmal habe ich mich schon auf die Suche gemacht und sie immer wieder neu entdeckt – auch wenn ich eigentlich sicher war, sie zu kennen. Man merkt gleich, wenn man ihnen näher kommt und sie am Wickel hat. Alles wird plötzlich mühelos und leicht. Das heißt leider nicht zwangsläufig, dass man dort ein Kreuzchen machen, sich die Stelle merken und einfach immer wieder dorthin zurückkehren könnte. Ausprobieren, ständiges Nachbessern und verfeinern ist angesagt.

 

Was mir bei diesen inneren Schnitzeljagden immer hilft, sind bildliche Vorstellungen, die nicht zwingend logisch anatomisch sein müssen. Die vielmehr ein Bild mit einem Gefühl verankern, das ich abrufen kann und das es mir erleichtert, wieder zu dieser Stelle zu gelangen. 

 

Zum Beispiel fand ich es lange sehr hilfreich, mir Mula und Uddiyana Bandha als zwei Hälften eines Druckknopfes vorzustellen, den man an der Wirbelsäule zusammenklickt.

 

Auf die Prana-Tube drücken

 

Vor Kurzem hatte ich ein kleines Schlüsselerlebnis und dieses gleich mit einem Bild verknüpft: Ich habe mir meinen Oberkörper als geschlossene Tube vorgestellt, deren ganzer Inhalt nach oben gedrückt werden soll um das untere Ende fein säuberlich aufzurollen (ich liebe Ordnung). Und das Tolle daran: Bei wiederholtem Abrufen dieses Bildes konnte sich mein Körper tatsächlich an den Effekt erinnern.

 

Der Effekt: 


Die Vorstellung dieser Zahnpastatube hilft mir auch in komplizierten Positionen dabei, tatsächlich nur den untersten Bauch zu aktivieren und den oberen Bauch loszulassen.

Das schafft Platz im Bauchbereich und verbessert die Mobilität in der Brustwirbelsäule. Das Brustbein schiebt sich wie von allein nach oben und ermöglicht eine sanfte, fließende Atmung. Mein unterer Rücken wirkt außerdem wesentlich geschützter und stabiler. 

 

Dieses Bild begeistert mich momentan so sehr, dass ich es teilen möchte. Funktioniert es auch für dich? Oder welche anderen Vorstellungen jenseits der Anatomie helfen dir mit den Bandhas weiter? Ich freue mich über dein Feedback! 

 



Andreas Ruthemann - Ashtanga Yogalehrer und freier Kreativdirektor

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