DAS SCHWEIGEN DER AFFEN

Momente, in denen die Äffchen in unserem Kopf Ruhe finden, sind selten und kostbar.
Momente, in denen die Äffchen in unserem Kopf Ruhe finden, sind selten und kostbar.

Unser Verstand muss ständig arbeiten. Langweilt er sich, beginnt er sich selbst zu beschäftigen. Pausen kennt er dabei keine. Die Gedanken in unserem Kopf führen, wenn wir ihn gerade nicht selber benutzen, ein echtes Eigenleben und gleichen einer wilden Affenbande. Wenn wir unaufmerksam sind, schnattern sie uns Sachen ins Ohr, die wir dann ungefiltert von uns geben – reden ohne nachzudenken. Jedem ist das schon passiert und niemand ist hinterher so richtig stolz darauf.  

 

Beim Yoga üben wir diese Affenbande im Zaum zu halten und geben ihr etwas, das sie zum Schweigen bringt. Eine echte Aufgabe: andauernde intensive Konzentration.

Das Yogastudio, in dem ich seit ein paar Monaten die Ashtanga Yoga Klassen im Mysore Style unterrichte, trägt den passenden Namen Monkey Mind Yoga – für mich seit langem genau der richtige Ort um meinen Affen die Flausen auszutreiben.

 

Jede meiner Mysore Klassen leite ich mit einem kleinen meditativen Intro ein. Zum einen um eine ruhige, konzentrierte Atmosphäre zu schaffen, zum anderen um in kleinen Häppchen ein paar Inhalte der Ashtanga Yoga Philosophie – den Yoga Sutren des Patanjali – zu vermitteln. Mal ist es ein einzelnes Sutra, mal ein Mantra, mal ein Bild, das die Lehren anschaulich mit dem Alltag verbindet – als Angebot für einen Fokus in der darauffolgenden Yogapraxis.

 

Eine schöne Inspiration zu diesem Thema kam mir neulich während eines Hundespaziergangs. Schon hundertmal war ich diesen Weg gegangen, beim hundertundersten Mal hat es plötzlich geklickt: das hübsche Stückchen Streetart, das einen einzelnen, in den Anblick eines kleinen Vogels versunkenen Affen zeigt, erschien mir wie die perfekte Darstellung dessen, was wir beim Yoga praktizieren: Den Affen so sehr beschäftigen, dass er das Toben und Schreien ganz vergisst. 

 

Für meine nächste Yogaklasse habe ich ein Intro vorbereitet, das, angelehnt an die tobende Affenbande in den Baumkronen, eine schöne Erlebnisreise zum eigenen inneren Rhythmus bietet und natürlich besonders gut zum Namen des Yogastudios passt.

 

Lust, es auch mal zu probieren? Hier ist die Monkey Meditation:

 

Stiller Affe: Monkey Forest, Ubud, Bali

Streetart Affe mit Vögelchen: Rainvilleterrassen, Hamburg Altona
Baumkronen mit Herz: Falkensteiner Ufer, Hamburg


 

KLEINE MONKEY MEDITATION

 

Finde einen stabilen und angenehmen Sitz mit

gekreuzten Beinen.

Lege die Hände auf den Knien ab und schließe die Augen.

Verbinde dich fest mit dem Boden und

wachse von dort aus nach oben. 

 

Stell dir vor, du bist ein Baum. 

Deine Sitzknochen und Beine  –  deine Wurzeln.

Dein Oberkörper  –  der Stamm.

Dein Hals und deine Arme  –  Äste.

Deine Finger  –  Zweige.

Dein Kopf  –  die luftige Baumkrone.

 

Schau mal, was in in der Baumkrone vor sich geht.

Das Kommen und Gehen der Gedanken,

die um deine Aufmerksamkeit rangeln.

Wie eine Bande herumspringender Affen.

Beobachte sie eine Weile

ohne dich auf sie einzulassen.

Und dann ...

... schick sie einfach weg.

Beobachte, wie sie zur nächsten Baumkrone springen,

zur übernächsten,

zur überübernächsten,

sich immer weiter entfernen.

Bis sie nicht mehr zu hören sind.

 

Was zurückbleibt, ist das leise Rauschen der Blätter,

friedlich und gleichmäßig:

deine natürliche Atmung. 

Nimm jeden deiner Atemzüge bewusst wahr.

Beobachte, ohne etwas zu verändern.

Den leichten Lufthauch an der Nasenspitze:

kühl bei der Einatmung,

warm bei der Ausatmung.

(für 3 – 5 Minuten)

 

(Gong) 3 x Om


Andreas Ruthemann – Ashtanga Yogalehrer und freier Kreativdirektor

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