WARUM HUNDE UND YOGIS ZUSAMMENGEHÖREN.

„Darf ich zu Euch aufs Sofa?” Das Wichtigste für einen Hund sind seine sozialen Bindungen (am besten alle zusammen mit maximalem Körperkontakt).
„Darf ich zu Euch aufs Sofa?” Das Wichtigste für einen Hund sind seine sozialen Bindungen (am besten alle zusammen mit maximalem Körperkontakt).

Viele Yogis leben mit Hunden zusammen und die Beziehung zwischen ihnen ist oft ungewöhnlich tief und vertraut. Das kann kein Zufall sein. Wer Hunde genau beobachtet, erkennt, dass sie viele Eigenschaften besitzen, für die wir als Yogis uns oft richtig ins Zeug legen müssen.
Was ich bisher von meinem Hund Basti lernen durfte? Unter anderem diese 10 Lektionen:

Lektion 1

DER WEG IST DAS ZIEL

Hunde machen keine Pläne. Basti lebt in den Tag hinein und lässt sich treiben – immer der Nase nach. Weckt etwas sein Interesse, fokussiert er sich darauf und lässt sich mitreißen. Er lebt im Moment und verkörpert den Fluss, nach dem wir so oft suchen. In allen Bereichen, in denen es mir möglich ist, versuche ich es genauso zu machen und mich öfter mal überraschen zu lassen. 

Bei der Ideensuche in meinem Job als Kreativer funktioniert das tipptopp.

 

Lektion 2 

VERGISS DEIN EGO

Basti hält auf charmante Weise mein Ego in Schach. Er kann sich nicht selbst versorgen und ist für die grundlegendsten Bedürfnisse auf meine Unterstützung angewiesen. Ach wenn es noch so gemütlich ist oder es draußen in Strömen regnet – erst wenn der Hund versorgt, gelüftet und gefüttert ist, kümmere ich mich guten Gewissens um mich selbst. Der anschließende Genuss beim gemeinsamen Kuscheln ist dann doppelt so groß. 

 

Lektion 3 

PAUSEN EINLEGEN

Unser Tagesablauf hat sich auf einen gemeinsamen Rhythmus eingependelt. Mit seiner inneren Uhr erinnert Basti mich zuverlässig an die Tagesordnung. Früher habe ich oft auf Mittagspausen verzichtet. Doch keine durchgearbeitete Pause hat mich je wirklich weitergebracht. Im Gegenteil, ich wurde nur immer müder und langsamer. Mit Hund sind Pausen Pflicht. Und sie sind wichtig, denn sie bringen immer auch einen frischen Blick und jede Menge Inspiration mit sich.

 

Lektion 4

AUSREICHEND SCHLAFEN

Hunde verbringen 16 Stunden des Tages schlafend. Bei uns sind 8 Stunden oft schon viel und kaum zu schaffen. Wie die meisten Ashtangis übe ich morgens früh. Und das bedeutet, dass meine Nacht um 5 Uhr zu Ende ist. An anstrengenden, langen Tagen lege ich immer einen kleinen Mittagsschlaf ein, bei dem mir Basti sehr gern Gesellschaft leistet. Nur ein 15-20 Minuten Powernap – das wirkt Wunder! Denn egal wie viel ich übe, wenn ich zu wenig schlafe fehlt meiner Yogapraxis jede Leichtigkeit.

 

Lektion 5

DAS OFFENE BUCH

Hunde sind grundsätzlich optimistisch, aufgeschlossen und neugierig. Basti begegnet neuen Situationen unvoreingenommen und mit allen Sinnen auf Empfang. Egal ob mit Menschen oder Hunden, er kommuniziert offen ohne zu taktieren und seine Augen und Körpersprache spiegeln jede Gefühlsregung wider. Für uns Menschen ist das eine schwierige Übung. Ein freundlicher Blick, der signalisiert „ich nehme Dich wahr” ist oft schon ein guter Anfang und kann absolut entwaffnend wirken.

 

Lektion 6 

PRÄSENT SEIN

Hunde sind 100% im Moment. Basti gibt immer alles. Er tobt bis zum Umfallen und lässt keinen Krümel im Napf zurück. Er freut sich nicht still und heimlich sondern lebt seine Lebensfreude aus. Die Begrüßung nach 5 Minuten der Trennung fällt nicht weniger herzlich und überschwänglich aus als die nach 2 Tagen. 

 

Lektion 7

KÖRPERLICHE UND GEISTIGE BEWEGUNG

Mangelnde Bewegung, im Kopf wie im Körper, schlägt Hunden aufs Gemüt. Basti albert und tobt gern rum, streckt und räkelt sich ausgiebig bei jeder Gelegenheit. Neue Dinge erforschen oder Kommandos üben stehen immer hoch im Kurs. Nur wenn auf allen Kanälen Bewegung herrscht, ist er ausgeglichen. Mit Hund bleibt man zwangsläufig auch in Bewegung. Und körperliche Bewegung kurbelt auch bei mir den Kopf an. Ich kann z.B. im Rhythmus eines ordentlichen Wanderschritts am besten auswendig lernen.

  

Lektion 8 

BANDHAS

Bastis Bandhas sind der Wahnsinn. Körperspannung, Leichtigkeit, Balancegefühl – auf Vorder- wie Hinterbeinen kann er sich fast schwerelos bewegen. Nur einen Tag lang würde ich das auch gern können. Ich beobachte ihn jedenfalls aufmerksam um hinter sein Geheimnis zu kommen :-)

 

Lektion 9

VERGEBEN UND VERGESSEN

Hunde sind nicht nachtragend, sie streben nach Harmonie und Frieden. Jedes böse Wort, jede Auseinandersetzung ist nach wenigen Minuten aus der Welt und vergessen. Nach stressigen Situationen schüttelt Basti sich einmal ordentlich und tänzelt anschließend wieder so vergnügt und leicht wie vorher. Für Menschen etwas schwieriger, aber nicht unmöglich.

 

Lektion 10

ANDERE NEHMEN WIE SIE SIND

Das wichtigste für einen Hund sind seine sozialen Bindungen. Und sie lieben bedingungslos. Zu wem sie gehören, dem folgen sie. Dabei interessieren sie keine Statussymbole. Ihr Blick durchdringt alle Lagen des äußeren Scheins und trifft mitten ins Herz. Anders als Katzen, die ortsgebunden sind, sind Hunde menschengebunden. Straßenhunde von Wohnungslosen haben oft das glücklichere Leben als so manch verwöhnter Mops – weil sie immer und überall dabei sein dürfen.

Nichts gibt Basti so viel inneren Frieden wie die Momente, an denen unser ganzes Rudel zusammen ist. Am besten alle auf dem Sofa.  

Danke an Bastian Gudelaune Flusenrakete Ruthemann für die bisher 6 lehrreiche Jahre, denen hoffentlich noch viele folgen. 

Powernap mitten am Tag. Eins der tollsten Dinge, die mir Basti beigebracht hat.
Powernap mitten am Tag. Eins der tollsten Dinge, die mir Basti beigebracht hat.

GALERIE

Yogis und Hunde, die zusammen gehören:

Hast du auch einen Hund? Und wenn ja, was hat deiner dir beigebracht? Ich freue mich über deinen Kommentar und Fotos von weiteren Yogi-Hund-Dreamteams für die Galerie.

 


VIDEO

Ein alter aber zeitloser und wunderbarer Werbespot zum Thema: Adopt a pet – they don’t care.




Andreas Ruthemann – Ashtanga Yogalehrer und freier Kreativdirektor

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Kommentare: 1
  • #1

    Katrin (Mittwoch, 21 Dezember 2016 19:40)

    Ein sehr schöner Artikel. Danke.

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