AUS LIEBE ZUM LERNEN

 

Bei meiner Anmeldung zur Ashtanga Yogalehrer Ausbildung hatte ich weder ein konkretes Ziel noch eine Ahnung wohin mich dieser Schritt führen würde. Über die Jahre hatte ich mir eine solide Yogapraxis aufgebaut, die ich gern vertiefen wollte. Erwartungen an die Ausbildung hatte ich wenige, Widerstände jedoch einige: Körperkontakt war mir unangenehm, Intensivwochenenden in einer Gruppe waren eine Horrorvorstellung. Pranayama war mir langweilig und unterrichten wollte ich am Ende sowieso nicht. Meine Vorstellungen oszillierten irgendwo zwischen Hippiekommune und Bootcamp. Und welch eine Überraschung: Es sollte ganz anders kommen.

 

In der Begrüßungsrunde wurde schnell klar, dass die anderen Teilnehmer ganz ähnliche Befürchtungen hatten. Eigentlich logisch, wenn 12 erwachsene Menschen in eine neue Gruppe zusammengeführt werden. Wir waren ein bunt gemischter Haufen: Männer und Frauen von groß bis klein, von stabil bis dünn, von beweglich bis steif, von fortgeschritten bis noch ein bisschen grün hinter den Ohren. Schnell stellte sich Erleichterung ein – andere waren auch nicht perfekt und allwissend, ich konnte mich also entspannen und getrost alles auf mich zukommen lassen.

Nach der Überwindung des ersten Schreckens stellte sich dann heraus, dass ich die ganze Sache im Vorfeld doch ein wenig unterschätzt hatte. Was ich zum Spaß nebenbei laufen lassen wollte, entpuppte sich als eine recht anspruchsvolle, vollwertige Berufsausbildung. Der Lehrplan war umfangreich und breit gefächert: Pranayama, Count, Anatomie, Alignment, Adjustment, Philosophie, Sanskrit und Chanting. Alle diese Bereiche gehören unter einen Hut und doch ist jeder einzelne eine Wissenschaft für sich. Die Verteilung auf verschiedene, spezialisierte Ausbildungslehrer war optimal. Das brachte eine Tiefe in jeden der Bereiche, die jeder einzelne der Lehrer kaum hätte vermitteln können. 

 

Das Lernen wieder neu lernen 

 

Es kam eine beachtliche Menge Stoff zusammen, die da in unsere Köpfe hinein sollte. Das letzte Mal, dass ich mich so intensiv mit etwas befasst hatte, lag viele Jahre zurück und meine grauen Zellen konnten sich nur langsam wieder an die Arbeit gewöhnen – ich musste tatsächlich zuerst das Lernen neu lernen. Allein den passenden Rahmen zu finden war ein Prozess. Am Schreibtisch, mit einem Buch vor der Nase lerne ich nur sehr schwer. Und alles, was ich auf diese Weise in meinen Kopf gelangt, ist am nächsten Tag auch schon wieder futsch. Das Stillsitzen und Fleißlernen war also schon mal nichts für mich. Dies sind meine Rezepte für effektives Lernen: ...

 

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Gastbeitrag von Andreas Ruthemann für den Blog von Inke Shenar.

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